Und das spielte sich bisher ab

 

Hier finden Sie alle unsere vorangegangenen Veranstaltungen.

 

Die erste Kulturzyt-Veranstaltung war am 13.11.2013 im Citychäller Glarus-


Bücher lesen kann Leben retten

 

«Vom Glück und der Heilkraft der Lektüre» stand auf dem Veranstaltungsprogramm vom Baeschlin Verlag AG im Rahmen seines Kulturprogramms «begegnen & erleben 2019». Für Leseratten und Literaturinteressierte eigentlich Grund genug, unbedingt an dieser Veranstaltung teilzunehmen. Doch weit gefehlt: Nur einige Unentwegte fanden den Weg in die Landesbibliothek in Glarus. Eigentlich sehr schade, denn jene, die gekommen sind, erlebten einen tollen, bereichernden Literaturabend im Kreis der beiden Autorinnen Karin Schneuwly und der einheimischen Verena Beerli-Kaufmann.

 

Publikum und Autorinnen wurden von Swantje Kammerecker, Präsidentin vom Forum «kulturzyt» und Moderatorin der Veranstaltung herzlich begrüsst. Der Baeschlin Verlag präsentierte dabei das neueste Buch von Karin Schneuwly mit dem Titel «Das Glück besteht aus Buchstaben» und Verena Beerlis «Von Wut, Mut und dem Lande des Glücks». In einem Gespräch mit Moderatorin Kammerecker erzählten die beiden Autorinnen ganz frei und offen über ihre Erfahrungen mit heilsamer Lektüre.

Vom Pixi-Buch zu Tolstois «Krieg und Frieden»

In ihrem neuesten Buch «Das Glück besteht aus Buchstaben» erzählt die Zürcher Schriftstellerin, Buchautorin und Lektorin die Faszination und die lebensrettende Kraft von Lektüren. In ihrem neuen Buch schildert sie die Kindheit und Jugend eines Mädchens in den 70er- und 80er-Jahren. Es ist die Geschichte eines Kindes, das in einem Haushalt fast ohne Bücher aufwuchs und trotzdem zu einer leidenschaftlichen Leserin wurde. Ihr erstes Buch war ein Pixi-Buch. Die Mutter hielt es für ein gutes Mittel, um sie auf dem Töpfchen zu halten. Auf die Pixi-Bücher folgten «Pinocchio», «Heidi», «Anneli» und in der Oberstufe auf Anregung ihrer Lehrerein Leo Tolstois «Krieg und Frieden». Präzise und elegant erzählt Karin Schneuwly von ihren Leseerfahrungen und vom Leben, von Abenteuern und Freundschaften, vom Spiel und Erwachsen werden, aber auch von Angst und Tod. Lesen öffnet Türen: Eine Erfahrung, die Autorin Schneuwly auch in ihrer bibliotherapeutischen Arbeit mit Schmerzpatienten machte.

Geschichten zum Mutmachen

Mit ihrem ersten 12-teiligen Kurzgeschichten-Band «Von Wut, Mut und dem Land des Glücks» spricht die Glarner Buchautorin Verena Beerli-Kaufmann nicht Kinder, sondern auch Erwachsene an, die Kinder begreifen und sie auf ihrem langen Lebensweg begleiten wollen. Als langjährig erfahrene Lerntherapeutin, Mutter und Grossmutter kennt die Autorin die Nähe Heranwachsender. Ihre Geschichten ermutigen, neue Wege zu gehen, eigene Stärken zu entdecken und zu erleben, dass es sich lohnt, für die eigenen Ziele zu kämpfen. «Das Buch soll nicht nur unterhalten, sondern auch ermutigen», lautet Autorin Beerlis Credo. Dabei ist es ihr wichtig, dass die Heranwachsenden darin unterstützt werden, an ihre Fähigkeiten zu glauben. Ihre zwölf wunderbaren Erzählungen führen in eine Zeit zurück, wo sie als Lerntherapeutin junge Menschen begleitet hat. «Es sind Geschichten nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene, die Kinder begreifen und auf ihrem langen Lebensweg begleiten wollen», schreibt der bekannte Kinderarzt und Bestsellerautor Remo H. Largo in seinem Vorwort. Beide Bücher sind extrem spannend für Leseratten, Bücherfreaks, Pädagoginnen, Eltern und alle anderen Neugierigen. Erhältlich ab sofort in der Buchhandlung Baeschlin an der Hauptstrasse 32 in Glarus oder im Buchhandel.

 


Glück besteht 
aus Buchstaben

Warum Lesen gesund machen kann

Von Beate Pfeifer, Glarner Woche 20.3.2019

Wer gerne liest, kennt das vielleicht: Wort für Wort zieht einen ein Buch in seinen Bann. Die reale Welt wird unwichtig. Wie verzaubert identifiziert man sich mit dem Helden der Geschichte, erlebt Abenteuer, entdeckt ferne Länder, findet die Liebe oder Freunde – und am Ende findet man vielleicht einen Teil von sich selbst. Die Autorin und ehemalige Lerntherapeutin Verena Beerli-Kaufmann aus Ennenda kennt dieses Versinken in einer Geschichte aus eigener Erfahrung. «Als Kind habe ich oft auf dem Weg in mein Zimmer in einem Buch zu lesen angefangen und bin dann auf der Treppe im Stiegenhaus einfach sitzen geblieben und habe alles um mich herum vergessen», erinnert sie sich.

Auch beruflich hat sie mit Geschichten gearbeitet: Ihr 2018 erschienenes Buch «Von Wut, Mut und dem Land des Glücks» ist eine Sammlung von zwölf Erzählungen, die sie als Lerntherapeutin für spezielle Menschen geschrieben hat. «Es sind Metaphern, Geschichten mit Entwicklungsaufgaben. Sie sind als Anregung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene gedacht, um ihnen Wege zu zeigen, wie sie ihre Probleme anders angehen könnten.» Beerli-Kaufmann hat die Erfahrung gemacht, dass ihre Geschichten etwas bewirkt haben – nicht immer, aber häufig. Diese Geschichten seien oft wie ein Samen, den man im richtigen Moment auslege und dann hoffe, dass er auch aufgehe. Von «Heilung» möchte sie nicht sprechen. «Mit der Bibliotherapie kann man beispielsweise keine schwere Depression heilen. Aber ein Buch kann einen aufhellen. Und es kann der Schlüssel zu den eigenen, inneren Ressourcen und Talenten sein.»

Nicht alle Menschen haben den Zugang zu Büchern finden können. Es ist eine Typfrage und auch eine Frage der Prägung, ob man etwas mit Büchern anfangen kann oder nicht. Wer den Zugang einmal gefunden hat, dem eröffnen sich unendliche Welten. Denn Bücher vermitteln uns fremde Kulturen, andere Weltanschauungen und Denkweisen. Sie können eine Vorbildfunktion übernehmen und bieten Identifikationspotenzial. Sie haben die Fähigkeit, zu beruhigen und zu trösten. In schwierigen Situationen können uns Bücher und Geschichten begleiten und uns ein Freund sein. Und sie können unsere Fantasie anregen, uns in unbekannte Welten eintauchen lassen.

Genauso, wie Bücher im positiven Sinne etwas verändern können, gibt es auch Bücher, die sich negativ, destruktiv auf einen Leser auswirken können. Vielleicht weil man zu jung ist für ein bestimmtes Buch oder weil man es einfach zum falschen Zeitpunkt liest. Deshalb sei es wichtig, Bücher auszuwählen, die eine positive Wirkung auf einen selbst haben, die einem helfen, sich weiterzuentwickeln, empfiehlt Beerli-Kaufmann.

Um diese «Heilkraft der Lektüre» geht es auch in der Lesung und Podiumsdiskussion am 22. März in der Landesbibliothek in Glarus. Neben Verena Beerli-Kaufmann wird die Zürcher Texterin, Lektorin und Autorin Karin Schneuwly aus ihrem sehr persönlichen Buch «Glück besteht aus Buchstaben» lesen. Dort beschreibt sie ihre eigenen Leseerfahrungen und das Glück, das sie aus den Zeilen der unterschiedlichsten Autoren gezogen hat. Für sie selbst sei Lesen keine Flucht, sondern eine Möglichkeit, sich zu retten, sagte sie einmal in einem Interview mit der NZZ. Und deshalb habe sie ein Buch über die Faszination und die Heilkraft des Lesens geschrieben.

Bibliotherapie – Vom Glück und der Heilkraft der Lektüre, Karin Schneuwly und Verena Beerli-Kaufmann im Gespräch mit Swantje Kammerecker, Freitag, 22. März, 20 Uhr, Landesbibliothek Glarus


Kreatives Gestalten

Impressionen der Veranstaltung Kreatives Gestalten am 22. Februar 2019

Humorbuchtreffen mit Niccel Steinberger

Freitag, 15. Februar 2019 in der Mensa der Kantonsschule

Das Glück kommt zu denen, die lachen

von Hans Speck,

17. Februar 2019, Glarus

 

Immer wieder mit neuen Ideen überrascht der Buchverlag Baeschlin und der Verein «kulturzyt» ihre Leserschaft. «Ein unvergesslicher Abend mit unkalkulierbaren Nachwirkungen auf die Lachmuskeln», lautete die vielsagende Affiche für ein Humorbuchtreffen mit Niccel Steinberger, Ehefrau von Humorlegende Emil Steinberger. Ein geselliger, unvergesslicher Abend mit dem Ziel, ein eigenes Humorbuch zu gestalten und zu kreieren.

 

Humor kann besonderes in einer Zeit der Globalisierung und des Pluralismus ein probates Mittel sein, Stimmungen und Meinungen zu reflektieren und zu relativieren. Mit Humor soll der tägliche Griesgram bekämpft werden. Lachen ist das geeignete Mittel dazu. «Wir sollten viel mehr lachen, auch wenn es uns manchmal nicht zum Lachen zumute ist», meint Niccel Steinberger, ausnehmend hübsche und charmante Ehefrau des unverwüstlichen «Emil», bekannt als Kultkomiker für alle Generationen. Obwohl uns das Lachen bereits in die Krippe gelegt wurde, stellen heutzutage immer mehr Menschen fest, dass sie im Alltag zu wenig Gelegenheit für fröhliches, entspannendes und regelmässiges Lachen haben. Die rheinische Frohnatur Niccel hat eine sensationelle Lösung, Menschen wieder auf die Spur der Fröhlichkeit und des Lachens zurückzubringen. Sie macht das auf vielseitige und äusserst kreative Art, indem sie sogenannte «LachsemiNarre» organisiert. In diesen geht es nicht darum, Menschen das Lachen beizubringen. Das können wir bereits nach wenigen Monaten. Ihr Anliegen ist, die Teilnehmer auf vielfältige Art und Weise zum Lachen zu verführen und ihnen kleine Werkzeuge in die Hand zu geben, mit denen aufs Eis gelegter Humor und das Lachen wieder im Alltag und Berufsleben aktiviert werden.

Lachen ist die beste Medizin

Beim Lachen werden verspannte Muskeln gelockert und der Körper mit Sauerstoff geflutet. Nach intensivem Lachen gelangt der Körper in eine Entspannungsphase. In dieser wird der Kreislauf heruntergefahren. Der Körper baut dadurch Stresshormone ab und fühlt sich befreit und entspannt an. Bei der rhythmischen Bewegung des Zwerchfells kommen ausserdem Leber, Galle, Milz und der Magen-Darm-Bereich in Schwung. Die Verdauung wird gefördert und dass wir beim Lachen tiefer und schneller atmen als sonst, ist gut für die Lungenfunktion. Lachen hat insgesamt also tatsächlich einen Einfluss auf unsere Gesundheit und eine positive Lebenseinstellung. Das hat auch einen gesellschaftlichen Effekt: Man lacht eher weniger allein, sondern lieber zu zweit oder in einer Gruppe. Kindern gelingt das übrigens besser als Erwachsenen. Sie lachen ca. 400-mal am Tag, Erwachsene nur 15-mal.

Ein eigenes Humorbuch

Im Zentrum des Humorbuchtreffens in der Mensa der Kantonsschule in Glarus stand die Gestaltung eines eigenen Humorbuchs. Im Buch von Niccel mit dem Titel «Mein Humorbuch» sind Kreativität und Ideen gefragt. Dazu findet man auf jeder zweiten Seite eine Anregung, was man im Humorbuch alles eintragen, einkleben und zeichnen kann. Um allen den Einstieg zu erleichtern, erhielten die Teilnehmer Klebstoff, Stift und Schere. Auf einem langen Tisch lag ein wirrer Haufen voll mit Zeitungsausschnitten, Sprüchen, Cartoons und Fotos, die dazu dienten, die ersten Seiten im persönlichen Humorbuch zu gestalten. In diesen Haufen konnten Teilnehmer wühlen, bis sie etwas gefunden hatten, was dem eigenen Humor entsprach. Es wurde geklebt, geschrieben, geschnitten und fotografiert. Und ganz wichtig, fröhlich gelacht, geschwatzt und gewitzelt, ganz nach dem Gusto von Workshop-Leiterin Niccel. Nimmt man dieses Buch, welches über die Jahre hin gefüllt wurde, später wieder einmal hervor und blättert darin, kann es durchaus passieren, dass dieses unvermittelt ein Schmunzeln ins Gesicht zaubert und den Leser oder die Leserin in fröhliche Stimmung versetzt. Jedenfalls möchte «Emil» nicht mehr auf das Humorbuch seiner Frau verzichten.

 

Erzählstunde: Der Hase hält Winterschlaf mit Marion Arnold

Samstag, 19. Januar 2019, auf dem Dachboden der Buchhandlung Baeschlin

Rückblick auf den Abend mit Barbara Bleisch

Freitag, 11. Januar 2019, auf der Piazza der Landesbibliothek

Eine Beziehung ohne Pflicht und Schuld

 

Barbara Bleisch, brillante Philosophin, Moderatorin, Kolumnistin und Dozentin hat ein Aufsehen erregendes Buch geschrieben: „Warum wir unseren Eltern nichts schulden“. Mit dem Verein kulturyt wurde es am 11.Januar in der Landesbibliothek Glarus vorgestellt – vor ausverkauften Reihen.

 

Es ist ein Thema, das offenbar einen Nerv trifft – und noch immer mit Tabus belegt ist. „Warum wir unseren Eltern nichts schulden“ betitelt Autorin Barbara Bleisch ihr 2018 erschienenes Buch. Am 11.1. stellte die Sternstunde-Moderatorin es in Glarus auf Einladung des Vereins kulturzyt einem grossen Publikum vor. Gaby Ferndriger begrüsste Autorin und Gäste, Swantje Kammerecker führte als Moderatorin durch den Abend. Er war kurzweilig, überraschend, und aufschlussreich.

 

„Niemanden ohne Not verletzten“ – Diese allgemeine Prämisse menschlichen Verhaltens gilt auch für die Beziehung zwischen erwachsenen Kindern und Eltern (und zwar wechselseitig). Doch genau diese Beziehung zeigt sich als extrem verletzlich – und dazu noch öffentlich (ein Familienabbruch wirft auch nach aussen hin mehr Wellen als die Beendigung einer Freundschaft). Familie kann man sich nicht aussuchen; sie ist gar die unfreiwilligste aller Beziehungen. Exfreunde oder Expartner gibt es, aber keine Exeltern oder Exenkel. Sie werden immer zu unserer „erweiterten Identität“ gehören – und umgekehrt. Mit solchen Argumenten, und nicht aufgrund einer als selbstverständlich angenommenen Schuld oder Dankespflicht, begründet Barbara Bleisch ihr Plädoyer für einen besonders sorgfältigen und wertschätzenden Umgang mit unseren Eltern. Dabei müssen wir uns aber auch abgrenzen können, inadäquate Forderungen zurückweisen. Uns verbindet eine lange Geschichte miteinander: Von einer existentiellen Abhängigkeit muss sich jedes Geborene zu einem eigenständigen Wesen entwickeln, bis man auf Augenhöhe miteinander ist - was mit Freuden und Leiden einhergeht. Und gerade in den Fällen, wo Kinder vor allem unter ihren Eltern zu leiden haben, wird erkennbar, dass eine Schuld (die man ohnehin lebenslang hätte und nie abtragen könnte) oder Dankespflicht nicht zu rechtfertigen sind. Dass man nur aufgrund einer Blutsverwandtschaft, oder ähnlich wie in einer Freundschaft, einander verpflichtet sei, auch diese Thesen widerlegt Barbara Bleisch. Wenn eine reife, verantwortungsvolle Beziehung gelingt, kann das ein tiefes Glück sein. Dazu kann dieses kluge Buch viel beitragen. Es befreit dazu, Familie neu zu denken – als grosse Chance.