Rückblick auf den Abend mit Monika Renz

„Was ist gutes Sterben? – Das Ich stirbt in ein Du hinein“.

Der Vortragsabend mit der Fachfrau für Sterbebegleitung, Monika Renz hat ein grosses Publikum angesprochen. Die Cafeteria des Kantonsspital Glarus musste mit immer Stühlen nachgerüstet werden, am Büchertisch gab es einen Ansturm. Denn wohl niemand kann hierzulande mit einem derart grossen Spektrum an Erfahrungen, Forschung, und so viel Hintergrundwissen an das Thema herangehen, das alle betrifft und tief verunsichert. „Die Aussensicht auf einen Sterbenden ist nicht gleich der Innensicht desselben“, und „Es ist wichtig, zu unterscheiden, was wir bei einem Sterbenden wahrnehmen, und was unsere Interpretation ist“, betont Monikas Renz. Leiden gehöre zum Streben, aber nicht nur: Zugleich ereigne sich oft auch sehr viel Wunderbares, verdichtete Begegnungen, Reifung, Prozesse vom Kampf zu einem tiefen Frieden, den nichts mehr stören könne. Dem gelte es Raum zu geben, mit höchstem Respekt zu begegnen. Wie Begleitung in dieser Phase aussehen kann illustriert die Theologin, Musiktherapeutin und Psychotherapeuten an eindrucksvollen Patientenbeispielen. Schmerz, Angst, Anspannung und Gefühle der Unerträglichkeit kann zu begegnen. Eine Patientin, die zuvor ihr Leben als eine Zumutung sah und sich töten wollte, erlebte in einer tief entspannenden Klangreise etwas Kostbares, Heiliges – ein Alternative zum vorherigen Zustand ist möglich. Eine junge Frau konnte ihr Leben loslassen, nachdem sie gehört hatte, was sie den auf Erden zurückbleibenden Bezugspersonen bedeutete. Etliche Menschen machten überraschende spirituelle Erfahrungen – auch überzeugte Atheisten. Ein Patient, der tagelang halbkomatös und verschreckt auf die Wand starrte, fand Frieden, als Frau Renz seine Position einnahm, den Schrecken eines unsäglichen, anonymen Gegenübers mitempfand, dies ausdrückte und ihm zusprechen konnte, dass ihm etwas Gutes entgegenkäme. “Unsere Worte, unsere Deutungsversuche dürfen aber nie manipulieren, ich sehe sie als Leihgaben, welche auch abgelehnt werden dürfen.“ Je näher der Punkt des Sterbens komme, „desto grösser wird das Geheimnis – wir können nicht über die Schwelle sehen, nichts übers Jenseits sagen“, so Renz. Dennoch zeigte ihre Forschung an über 1000 Sterbenden, dass sich die Wahrnehmung typischerweise in drei Stadien verändert. Inmitten des Prozesses wird eine innere Bewusstseinsschwelle überschritten – die Stadien bezeichnet durch VORHER, HINDURCH, DANACH. Im DANACH hat sich das ICH mit seinen Konturen und Bedürfnissen aufgelöst und der noch Lebende befindet in einem anderen, allumfassenden Bewusstseinszustand, der ohne Angst, Schmerz erlebt werde. Im Hindurch, wenn das ICH noch da sei, aber die Umwelt nicht mehr richtig eingeordnet werden kann, kann eine gute Begleitung helfen und zur Lösung beitragen. Nachdem Vortrag beantwortete Frau auch noch zwei Fragen aus dem Publikum – davon eine sehr brisante zur Sterbehilfe. Darüber habe sie schon in vielen Interviews Antwort gegeben, so Frau Renz. Sie verurteile niemanden, der aus Verzweiflung den Suizid wähle. Bei der organisierten Sterbehilfe gebe es jedoch recht einschneidende „Nebenwirkungen“ – z.B. auf Pflegende und Angehörige, auch aufs gesellschaftliche Klima. „Ich versuche, beim Ansinnen zur Sterbehilfe zu erfahren, was hinter diesem Wunsch steht und dann Alternativen anzubieten.“ Oft kann dann noch ein anderer Weg beschritten werden, wie bei der suizidalen Frau mit der Klangreise-Erfahrung. „Danach kann man das nicht einfach nicht mehr tun“, sagte dieser hinterher.