"Aus dem Leben einer Matratze"

 

 

Datum: Freitag, 21.02.2014

 

Zeit: ab 19 Uhr Suppe nach Wunsch, 20 Uhr Lesung

 

Ort: Werkstatt-Café, Stampfgasse 6, 8750 Glarus

Tim Krohn, liest aus seinem neuen Roman: "Aus dem Leben einer Matratze bester Machart". Er stellt sein neues Werk zum ersten Mal dem Glarner Publikum vor. Es laden ein: Kulturzyt, das "Werkstatt-Café" und die "Buchhandlung Baeschlin".  

 

Das Werkstatt-Café bietet genau das richtige Ambiente für den neuen Stoff von Tim Krohn, geht es doch um das abenteuerliche Leben einer Matratze. Um für die Lesung genug Platz zu schaffen, werden all die gebrauchten Gegenstände, die auf neue Besitzer warten, kurzum in den Umzugstransporter gesteckt. So bietet das Café Platz für einen gemütlichen Abend.

 

Ab 19.00 Uhr sind die Gastgeber bereit, Suppe, Kaffee und andere Getränke auszuschenken. Benutzen Sie die Gelegenheit und lernen Sie das Werkstatt-Café kennen.

 

Die Lesung beginnt um 20.00 Uhr. Zur Deckung der Unkosten wird eine Kollekte erhoben.

 

Tim Krohn: Aus dem Leben einer Matratze bester Machart 

 

ISBN: 978-3-86971-088-4

 

Viele abenteuerliche Wege kreuzen den Weg der Matratze, die die "eigentliche Hauptfigur" ist: Da ist der eweige oportunist Immanuel Wassermann, der aus Anlass seiner Spontanhochzeit mit einer gerade eroberten Italienerin eine deutsche Qualitätsmatratze erwirbt und sich gegen den Rat seiner Freunde (er ist Jude, wir schreiben das Jahr 1935) mit seiner Braut nach berlin begibt. Da sind Mirtha und Simon, die sich (es ist Nachkriegszeit) bisher nur auf ausgelegten Zeitungen betteten. Doch eben hat Mirtha die Matratze auf dem Rotkreuzbasar erstanden... Und 30 Jahre später trifft Giacomo Neri auf das, was von der einst stolzen Qualitätsmatratze übrig ist.

Und so war es dann im Werkstatt-Café:

Text und Fotos von Swantje Kammerecker

 

Werkstatt-Café + Tim Krohn = ein toller Kulturzyt-Abend!

 

 

Noch ziemlich neugeboren, nicht mal einen Monat alt, ist das jüngste Buch von Tim Krohn „Aus dem Leben einer Matratze bester Machart“. Es ist dessen dritte öffentliche Lesung, zu welcher „Kulturzyt“ am 21. Februar gemeinsam mit dem Verein Werkstatt-Café im Herzen von Glarus einlädt. In dessen stilvoller Brocki-Atmosphäre lassen es sich etliche Gäste gutgehen, welche schon vor der Lesung bei Getränk und Suppe den nasskalten Freitag gemütlich ausklingen lassen. Gaby Ferndriger von der Buchhandlung Baeschlin legt auf dem Flipperkasten hinten im Raum Bücher auf.

 

Der grosse Wecker zeigt zwanzig Uhr, als Kulturzyt-Vertreterin Swantje Kammerecker die Anwesenden und den Autor „bei uns in Glarus, das ja, so muss man immer wieder feststellen, der literarische Nabel der Welt ist“, begrüsst. Tim Krohn lässt sich auf der kleinen Bühne aus Pflastersteinen am Antiktischchen nieder und beginnt. Seine Vorlesestimme ist ein Genuss, das Publikum lauscht im dicht besetzten Raum, der vom rötlichen Schein der „CAFE“ Leuchtbuchstaben an der Wand geflutet wird. Nach zwei Kapiteln aus seinem neuen Werk liest Tim Krohn noch eine Geschichte aus einer Auftragsarbeit für ein Unternehmen, eine kuriose Nicht-Liebes-Geschichte.

 

 

Aber zurück zu den Abenteuern einer „Matratze bester Machart“. Das ist ein spannendes Geweb. Diese Matratze ist ein Universalgenie. Unter dem handgenähten Bezug aus feinstem Drillich verbirgt sich ein ausgeklügeltes Kammersystem, deretwegen sie unter anderem zusammenklappbar und sehr reisetauglich ist. Ihre unverwüstliche Qualität lässt sie sämtliche Abenteuer überstehen – eine schlaflos-leidenschaftliche Hochzeitsnacht, Bombenangriffe, den Dauereinsatz bei einer dementen und inkontinenten Seniorin und sogar einen Schiffbruch…

 

Und so saugt die Matratze über die Jahrzehnte ein gutes Stück Schweizer, aber auch Weltgeschichte auf. Das alles ist kolossal verdichtet in einem schmalen Erzählband mit lockerem Schriftbild in acht Etappen nachzulesen. In meisterhaft gebauten Dialogen oder auch inneren Monologen richtet Tim Krohn das Brennglas auf seine Protagonisten. Deren lust- und notvollen Erfahrungen kommen im Licht der lakonisch-schlichten Sprache mit wohlkalkulierter und zugleich absichtslos wirkender Situationskomik daher.

 

 

„Zwischen seinen Sätzen hab ich Dein Lachen gut rausgehört“, sagt eine Zuhörerin augenzwinkernd zu einer anderen nachher. Nach den zwei Kapiteln hat Krohn- trotz verlangter Zugabe – das Buch zugeklappt und nur noch Bücher zum Signieren aufgeklappt. Beim Antiktischchen wird geduldig und gut gelaunt angestanden, jetzt gibt es ja auch wieder etwas an der Bar. Als alle ihr signiertes Buch haben, geht Krohn auf den Zug nach Zürich, im Gepäck – passend zur imaginären Matratze – ein „schöne Träume Kissen“ und einen Schlummertrunk als Dankespräsent der Kulturzyt. Schön wars!